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Realschule Oppum: Der Künstler Elijah Avital bringt Geschichten und Musik

Der israelische Künstler Elijah Avital war zu Gast in der Realschule Oppum. Avital lebt in Berlin und unterrichtet dort an der jüdischen Grundschule Heinz Galinski das Fach Bibel. 30 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 6 lauschten im Musiksaal der Oppumer Schule gebannt der Trommel, auf der Avital den menschlichen Herzschlag hörbar machte.

"Familientrubel" nannte er seine Erzählung über die Eltern Rebekka und Isaak und ihre Söhne Esau und Jakob. Den Text aus der jüdischen Bibel, dem christlichen Alten Testament erzählte er sinnenhaft und anschaulich, mitfühlend und faszinierend; z.B. wie Rebekka und ihr Mann lange auf ein Kind warten mussten; oder die überraschende Geburt ihrer Zwillinge, als eine kleine Hand die Ferse des erstgeborenen Bruders festhielt. Anschaulich charakterisierte Avital die Verschiedenheit der beiden Brüder und die besondere Zuneigung der Eltern zu jedem der beiden Söhne. Der behaarte, kräftige Esau war ein kluger Jäger, Jakob war nachdenklich, er konnte Wasser riechen. Er träumte davon, der erste zu sein. "Ist träumen schön?" fragte Avital die Kinder. "Träumen ist für mich wie eine zweite Welt", antwortete ein Mädchen; und: "Da ist man der Eigene" sagte ein anderes. Dann erzählte Avital, wie Jakob seinen Traum Wirklichkeit werden ließ: er hatte ein Linsengericht zubereitet, duftend von Kräutern und voll Fleisch, dazu Fladenbrot auf der Steinplatte gebacken. Esau roch es und wollte davon essen. Jakob verlangte von ihm einen Preis: verkaufe mir dein Erstgeburtsrecht. In der letzten Stunde der Schulwoche waren anschließend Kolleginnen und Kollegen der Realschule eingeladen, ihre Arbeit durch Lieder und Erzählungen ausklingen zu lassen.

Elijah Avital trug die eigene Übersetzung von Versen aus dem Hohenlied Salomons vor. Er rezitierte die Bilder, mit denen sich die Geliebten gegenseitig beschreiben. Es sind schöne, saftige Liebeslieder; sachlich betrachtet, wirken sie übertrieben, "aber ist die Liebe nicht eine Übertreibung des Lebens?" Die israelischen Chansons, die Avital mit seinem Akkordeon begleitete, gingen zu Herzen und konnten die Gäste hinausträumen lassen aus den offenen Fenstern des Raumes in die Sommerluft.

Mit diesen beiden Veranstaltungen wollte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Krefeld e.V. der Schülerschaft und dem Kollegium der Realschule Sandberg danken - für ihr Engagement bei der Gestaltung des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus im Jahre 2008; damals hatten Schülerrinnen und Schüler unter Anleitung einen Wandbehang angefertigt, in den sie die Namen der Krefelder Jüdinnen und Juden gestickt hatten, die im Holocaust ermordet worden sind. Dieses Kunstwerk hängt seitdem in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Krefeld. Text: Joachim Klupsch